Deutschland in der Industriellen Revolution 1. Bevölkerungswachstum und Bevölkerungsbewegung
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Verstädterung:
Duisburg-Marxloh im 19. Jh. |
Landflucht und Verstädterung
Um 1800 hatten noch drei Viertel der Deutschen auf dem Land gewohnt, ein
Viertel in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern und 3% in Großstädten.
1910 gab es in Deutschland dann 48 Großstädte. Zuerst verschlechterte
sich die Lage der Landbevölkerung. In schlechten Erntejahren brach
eine Hungersnot aus (besonders 1770, 1816, 1847). In der Hungersnot waren
manche sogar gezwungen Heu, Hunde und Katzen zu essen, um nicht stehlen
zu müssen.Manche plünderten aber die Bäckerläden und
raubten Getreidelager aus.
Erst als immer mehr Bauern in die Großstadt zogen, ging die Verarmung
zurück. Die Landflucht führte zu einer wahren Völkerwanderung
vom Dorf in die Stadt. Millionen kamen aus den ländlichen, teils
polnischsprachigen Gebieten Ostdeutschlands in die westlich gelegenen
Industrieregionen wie Berlin, Sachsen und das Ruhrgebiet. Sie alle suchten
Arbeit in den Fabriken. Viele, die nicht die Möglichkeit hatten Geld
zu verdienen, wanderten aus. Um 1800 hatte es in Deutschland rund 80.000
Fabrikarbeiter gegeben; um 1850 stieg die Zahl der Arbeiter auf rund 800.000;
bis etwa 1910 wuchs die Arbeiterschaft auf 8 Mio., d.h. etwa 30% der Beschäftigten
an. Der Anteil der Selbstständigen fiel auf knapp 20%. Um 1800 hatte
er noch 50% betragen, wovon freilich die meisten Kleinbauern und kleine
Handwerker waren, die kaum was erwirtschafteten.