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Unternehmer
August Thyssen
Die Familie Krupp
Lokomotivbau bei Krupp
Unternehmer
... "Die" - das waren die Unternehmer. So wurden sie zu mindestens
von den Arbeitern genannt; Worte wie "Kapitalisten" und "Schlotbarone"
kamen in der Alltagssprache seltener vor, als sie in den Parteiblättern
standen.
Für die Arbeiter waren die Unternehmer und die mit ihnen verbundenen
Führungsgruppen "die da oben", von denen alles oder doch
fast alles abhing. In der Tat waren die Entscheidungen der schwerindustriellen
Unternehmer für die Bevölkerung der Region von der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit von geradezu existentielle
Bedeutung. Die Unternehmer waren die Herren an der Ruhr!
Zweifellos hat die dominierende Rolle der Unternehmer in Bergbau und Eisenindustrie
die Entwicklung der Arbeiterbewegung zunächst gehemmt. Doch die Arbeiterbewegung
stellte sich gegen die neu entstandenen Herrschaftsansprüche.
Es waren vor allem ökonomische Interessen, die das Unternehmerhandeln
leiteten. Die Unternehmer nahmen ihre Interessen in bestimmten überkommenen
gesellschaftlichen und politischen Formen wahr und neigten dazu, ihre
ökonomische Macht als umfassende Herrschaft (mit weitgehender sozialer
Kontrolle der Belegschaften) und als gesamtgesellschaftlichen Einfluss
umzusetzen. Dies war bis 1945 so. Dieser Gruppe gelang es das gesamte
Unternehmerlager zu prägen. Sie hat im ganzen Kaiserreich und in
der Weimarer Republik ganz wesentlich zur Verschärfung der sozialpolitischen
Konflikte an der Ruhr und darüber hinaus in der deutschen Gesellschaft
beigetragen.
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Die Mülheimer Unternehmerfamilie Troost |
Manche der bedeutenden Unternehmerpersönlichkeiten der Gründungsepoche
der Ruhrindustrie sind noch heute gegenwärtig, nicht nur als Konzern-
und Firmen, sondern auch als Straßen- und Schulnamen.
Die meisten Gründerunternehmen in der Ruhrindustrie stammten aus
angestammten Kaufmanns- und Unternehmerfamilien. Andererseits wanderten
einige aus den umliegenden, teilweise gewerblich-industriell früher
entwickelten Regionen zu. Sie begannen nicht mittellos, sondern besaßen
ein beachtliches Startkapital.
August Thyssen
August Thyssen wurde am 17 Mai 1842 in einem Haus auf dem Grundstück
der Eschweiler Drahtfabrik geboren.
Seinen Vater August besaß ein Bankgeschäft. Nach seinem Tod
hinterließ der Vater von 7 Kindern ein Vermögen von 230.000
Mark. Der hochintelligente Junge, der seinen Klassenkameraden körperlich
unterlegen war, galt als Eigenbrötler und Außenseiter. Nach
dem Gymnasium besuchte er die damals beste polytechnische Lehranstalt
Deutschlands, die Technische Hochschule in Karlsruhe. Nach seinem Abschluss
dort absolvierte der ehrgeizige Thyssen noch ein wirtschaftswissenschaftliches
Studium. So war der junge Mann, als er nach kurzer Lehrzeit im Bankhaus
des Vaters und nach dem durch den Krieg gegen Österreich etwas verlängerten
Militärdienst im April 1867 seine Unternehmerlaufbahn begann, besser
ausgebildet als die meisten seiner Jahrgangskollegen.
Mit 8.000 vom Vater vorgeschossenen Talern beteiligte er sich an einem
Gemeinschaftsprojekt: dem Bandeisenwalzwerk Thyssen , Fossoul & Co. in
Duisburg. Das Geschäft lief gut, aber Thyssen war mit seinem Part
nicht zufrieden, denn er hatte größere Pläne und wollte
vor allem unabhängig sein. 1871 verkaufte er seine Anteile für
40.000 Taler an die Familie Bicheroux und kaufte damit klammheimlich einige
Wiesen und Äcker in der Bügermeisterei Styrum bei Mülheim
auf. Den Nachbarn erzählte er, er wolle ein wenig Landwirtschaft
betreiben. Als aber Arbeiter anrückten und mit dem Bau eines Stahl-
und Walzwerks begannen, war es für Proteste schon zu spät.
Mit dem Grundkapital von 70.000 Talern ausgestattet (davon vom Vater 35.000),
nahm die Firma Thyssen & Co. am 2 Oktober 1871 mit 70 Arbeitern den Betrieb
auf. Krisen überstand er problemlos. Wo andere Betriebe zusammenbrachen,
blieb Thyssen glänzend stehen und erweiterte seinen Betrieb sogar.
Als Aufträge knapp wurden, setzte sich Thyssen in einen Zug dritter
Klasse und holte Aufträge aus Rußland. Als sein Schwager starb
, hinterließ der ein großes Vermögen, das sich August
mehr oder weniger aneignete um Bergwerke zu kaufen. Der Betrieb wuchs
und wuchs. August verkaufte und kaufte ständig und baute und investierte
in einem derartigen Tempo, dass sogar sein Bruder, der Teilhaber war,
warnend die Hand erhob. Was Thyssen in 40 Jahren erschuf, hatte auch einen
Preis: sein Privatleben. Seine Frau, die er 1872 geheiratet hatte, ließ
sich nach 14 Ehejahren, in denen ihr Mann stets nur kurze Gastspiele gegeben
hatte, scheiden. Fritz Thyssen, Augusts Sohn, schlug die Richtung seines
Vaters ein, aber sonst gab es kein glückliches Familienleben.
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August Thyssen |
Der arbeitswütige Thyssen lebte persönlich anspruchslos,
verschmähte Partys und gesellschaftliche Veranstaltungen, wies Orden
jeder Art zurück, mied im Gegensatz zu Alfred Krupp den Berliner
Hof und lud seinen Kaiser auch nicht zu Besichtigungen ein. Am liebsten
aß er billige Eintopfgerichte, und zu geschäftlichen Besprechungen
brachte er sich gelegentlich auch mal eine Wurststulle mit. August Thyssen
war ein Unternehmer durch und durch. Er vergeudete keine Zeit an Mittagspausen.
Er forderte sogar von seinen Mitarbeitern dass sie ihre Butterbrote während
der Konferenzen essen sollten. Er liebte derbe Witze und nach seiner Scheidung
ebensolche Frauen. Zur Überraschung vieler kaufte er das Schloß
Landsberg, aber nur um den Banken zu beweisen, dass er zahlungsfähig
war.
Seine Kinder verachteten die Lebensweise, die August anstrebte. August
junior, der zweitälteste Sohn, war ursprünglich der Liebling
seines Vaters, aber das änderte sich, als er nicht mehr dasselbe
wie sein alter Herr wollte. August junior ging ohne Wissen des Vaters
in das Leibschwadron-Garde-Husarenregiment, in dem noch kein Bürgerlicher
als Offizier gedient hatte.
Es gab immer Ärger zwischen August senior und seinen Söhnen.
August junior versuchte seinen alten Herr zu kränken, indem er eine
Schauspielerin heiratete, die nicht den besten Ruf genoss. Bei Streiks
unterstützte er die Streikkasse und suchte auch auf andere Weise
den Vater seelisch zu peinigen .Die Wege trennten sich, und August junior
gründete seine eigene Firma, mit der er keinen Erfolg hatte. August
senior wollte seinem Sohn helfen, doch der Junior ging nicht darauf ein,
und so endete der Streit zwischen Thyssen und Thyssen vor Gericht.
Die anderen Söhne waren auch nicht besser: Fritz Thyssen finanzierte
Adolf Hitler und flüchtete am Ende aus Deutschland. Er starb in Argentinien.
Zurück zum alten Thyssen. August war so arbeitsbesessen, dass er
seinen Konzern dauernd erweiterte. Hatte er gerade Gewinne gemacht, so
investierte er das Geld schon wieder in andere Projekte. Seine Firma wuchs
und wuchs, auch wenn er später einmal bekannte, daß das Schicksal
seines Unternehmens mehrfach auf Messers Schneide gestanden habe.
August verstarb am Ostersonntag des Jahres 1926. Danach gab es keine Grossunternehmer
mehr wie ihn - so ehrgeizig, erfolgreich und trotzdem auf dem Boden der
Tatsachen geblieben.
Die Familie Krupp
Krupp: Seit dem 16 Jahrhundert in Essen nachweisbare protestantische Kaufmanns-
und Patrizierfamilie.
FRIEDRICH KRUPP, Unternehmer, gelernter Kaufmann
geb. 17.07.1787 in Essen
gestorben 08.10.1826 in Essen
Früh verwaist, gründete er 1811 die Gussstahlfabrik in Essen,
aus der die Krupp GmbH hervorging. Nach seinen Tod hinterließ er
seiner Familie nur eine neugebaute Fabrik ohne Betriebsmittel und Aufträge.
ALFRED KRUPP, Unternehmer
Sohn von Friedrich
geb. 26.04.1812 in Essen
gestorben 14.07.1887 in Essen
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Alfred Krupp |
Er und seine Mutter, Therese geb. Wilhelmi, führten das Werk
weiter. Er begann zunächst mit 2 Arbeitern als 14jähriger Betriebsführer
seiner Mutter. 1848 wurde er Alleininhaber. Er fertigte einen dem englischen
gleichwertigen Stahl, hatte jedoch zunächst einige wirtschaftliche
Probleme.
Krupp produzierte Edelstahl für Stempel und Münzwalzen und erfand
die Löffelwalze, während sich Stahl für den Maschinenbau
erst langsam durchsetzte. Durch den Wirtschaftsaufschwung nach 1848 ermutigt,
erzeugte Krupp immer größere Tiegelstahlblöcke. Ein auf
der Weltausstellung in London 1851 ausgestellter 4.300 Pfd. schwerer Stahlblock
machte ihn berühmt. 1862 stellte er einen Stahlblock von 20.000 kg
aus. Die Verarbeitung gelang durch den Riesenhammer ''Fritz'', der auch
von ihm gebaut wurde.
Für seine wichtigste Erfindung hielt Krupp den nahtlosen Radreifen
für die Eisenbahn. Drei solche Reifen bilden das Firmenzeichen. Nach
1850 setzte sich Krupp im Eisenbahnbau durch, und 1847 baute er die erste
Gussstahlkanone.
Durch die von ihm in Deutschland eingeführten Bessemer- und Siemens-Martin-Verfahren
wurde es ihm möglich, zur Massenerzeugung überzugehen.
FRIEDRICH ALFRED KRUPP, Unternehmer
Sohn von Alfred
geb. 17.02.1854 in Essen
gestorben 22.11.1902 in Essen
Er vergrößerte die Firma durch Angliederung von gleichartigen
oder stahlverarbeitenden Unternehmen; z.B. erwarb er die Germaniawerft
in Kiel und das Grusonwerk in Magdeburg. Er schuf soziale Einrichtungen
in seinen Betrieb (Krankenkasse usw.), bekämpfte aber die Arbeiterbewegung.
Er erweiterte die Fabrik seines Vaters in ein Weltunternehmen der Stahlindustrie
(21.000 Beschäftigte).
Nach seinem Tode wurde die Firma in eine Familien-AG mit 160 Mio. M. Kapital
umgewandelt. Erben wurden seine Tochter Bertha (1886-1957) und deren Mann
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870-1950).
GUSTAV KRUPP VON BOHLEN UND HALBACH, Unternehmer
geb. 07.08.1870 in Den Haag
gestorben 16.01.1950 in Blühmbach bei Salzburg
heiratete 1906 Bertha Krupp
Während des 1. Weltkriegs stieg die Belegschaft auf 115.000 Mann
an. Krupp besaß das größte Vermögen der Zeit.
1943 wurde das Unternehmen in eine Einzelfirma zurückverwandelt,
deren alleiniger Inhaber Gustavs Sohn Alfried Krupp (1907-1967) wurde.
1948 wurde Alfried wegen der Beschäftigung von Zwangsarbeitern in
der NS-Zeit anstelle seines kranken Vaters zu 12 Jahren Haft verurteilt,
jedoch 1951 wieder freigelassen. Es gelang ihm den Krupp-Konzern, der
in 20 Einzelfirmen zerschlagen worden war, wieder aufzubauen. Die Werke
hatten 1964/65 wiederum 115.000 Beschäftigte. In der Wirtschaftskrise
musste jedoch Alfried K. auf die Konzernführung verzichten und das
Werk noch kurz vor seinem Tode 1967 in eine Stiftung umwandeln.
Sein einziger Sohn verzichtete gegen eine Abfindung auf das Erbe.
Lokomotivbau bei Krupp
Friedrich Krupp gründete 1811 eine Gussstahlfabrik in Essen, die
1826 von seinem Sohn Alfred Krupp übernommen wurde. Nach Einzug der
Eisenbahn in Deutschland wurde Krupp zu einem wichtigen Lieferanten für
Lokomotiv- und Wagenteile. 1852 erhielt Krupp das Patent für nahtlose
Radreifen, die 1875 zum Firmensymbol wurden.
Die Lokomotivproduktion nahm der Rüstungsbetrieb nach dem 1. Weltkrieg
auf, da viele Produktionsstätten nun arbeitslos waren. Am 10. Dezember
1919 wurde die erste Lok ausgeliefert. Im Vergleich zu manch anderem bereits
lange etablierten Lokhersteller gelang es Krupp, auch in den Jahren der
ausbleibenden Reichsbahn-Aufträge und der Weltwirtschaftskrise den
Lokbau weiter fortzuführen. Man nutzte diesen Zeitraum sogar zum
Ausbau des eigenen Lokomotivbaus und übernahm 1929 die Reichsbahn-Lokquoten
der Lokomotivfabrik Hohenzollern (3,4%) und damit verbunden die einstigen
Quoten der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe und der Maschinenanstalt
Humboldt. 1930 teilt sich Krupp die Lokquote von 6,2% der Linke-Hofmann-Werke
in Breslau zusammen mit Henschel in Kassel.
Das Unternehmen wurde 1961 in eine GmbH umgewandelt, aus der am 1.April
1992 die "Krupp Verkehrstechnik GmbH"' entstand. Gleichzeitig
werden in dieses Unternehmen die MaK-Werke in Kiel und Moers überführt,
an denen Krupp schon seit 1964 beteiligt war. Seit 1994 gehörte die
Krupp Verkehrstechnik GmbH zur "Siemens Schienenfahrzeugtechnik";
drei Jahre später wurde am 3. Mai 1997 der Lokomotivbau in Essen
sang- und klanglos aufgegeben.
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