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Vielen Dank im Voraus, dass wir sie über die Mausegattsiedlung
befragen dürfen.
Wie lange haben sie in der Mausegattsiedlung gewohnt?
Hugo Schneider: Ich habe dreißig Jahre ungefähr in Mausegattsiedlung
gewohnt, bei meinen Eltern.
Also sind Sie in der Siedlung geboren?
Hugo Schneider: Ich bin auch da geboren, genau.
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Die Mausegattsiedlung |
Woher kamen die Mieter der Werkswohnungen damals,
die ersten Mieter?
Hugo Schneider: Das war ja schon so um 1900, ja, da war ich nicht geboren
und da weiß ich auch weniger Bescheid. Mir ist nur bekannt, dass
die von der Zeche Arbeitskräfte suchten, und diese haben Geld gefordert
und teilweise gestreikt, und dann ist der Arbeitgeber hingegangen und
hat Arbeitskräfte aus dem Osten geholt, also von Polen hauptsächlich.
Hier aus der Umgebung kamen auch Bewohner, mein Vater zum Beispiel kam
aus Essen, er hatte nichts gelernt und da blieb ihm nicht anderes über,
als auf der Zeche anzufangen. Ich glaube, so ist das vielen gegangen.
Das ist so, was ich so weiß.
Gab es einen bestimmten Grund, warum sie umgezogen sind?
Hugo Schneider: Ich persönlich?
Ja.
Hugo Schneider: Ich bin kein Bergmann, ich wollte das auch nie werden,
weil ich gesehen habe, wie die Bergleute gestorben sind. Die haben Silikose
gehabt, das ist Steinstaub, und ein Onkel von mir und mein Großvater,
die sind daran gestorben und man kann sagen, die sind elendig zu Grunde
gegangen. Zum Beispiel mein Onkel, der hat sich im Bett an den Rändern
festgehalten und wollte seine Brust auseinander ziehen, um überhaupt
Luft zu kriegen. Die sind regelrecht erstickt. Deswegen habe ich nicht
auf der Zeche angefangen, sondern ich habe Elektriker gelernt und bin
dann nach Siemens gegangen. Bis 1950 haben wir da gewohnt und ich habe
vorher geheiratet und bin dann woanders hingezogen. Meine Mutter ist dann
noch in der Mausegattstraße geblieben, später ist sie zur Kreftenscheerstraße
runtergezogen.
Wo befanden sich damals, als sie Kind waren, die Toiletten?
Hugo Schneider: Die Toiletten waren außerhalb. Hinten war ein Anbau,
und das sollte eine Waschküche sein, und die haben die Bergleute
sich selber umgebaut zu einer normalen Küche und dahinter war der
Stall, da waren Schweine drin, Hühner, wir zum Beispiel hatten auch
Schweine, weil wir, ja, auch einen großen Garten hatten, dann bot
sich das an. Dahinter war die Toilette, was sich so Toilette nannte, das
war ein Plumpsklo und im Winter, wenn es eisig kalt war, musste man raus,
ja, und musste von außen da auf die Toilette. Es gab eine Jauchegrube,
heute sagt man ja was anderes dazu. Die Grube wurde auch immer gelehrt
mit einem Aalschepper, gab's da ja auch und da wurde dann der Garten mit
gedüngt. Man kann sagen, bald umweltfreundlich.
Sie hatten gerade den Garten erwähnt. Wie groß war der und
wozu wurde der genutzt?
Hugo Schneider: Hauptsächlich war der also ein Nutzgarten. Da wurde
Gemüse, Kartoffeln und alles was man für den häuslichen
Bedarf brauchte, angepflanzt. Bohnen, alles was man sich denken konnte.
In der Mausegattstraße reichte der Garten bis zum Priesterhof. Kann
ich nicht sagen, wie groß das ungefähr ist, aber 900 m2
war das ja doch, ungefähr.
Wie war das Gemeinschaftsleben früher?
Hugo Schneider: Ja, ja das ist wirklich gut gewesen, also ich bedauer'
das nicht, da groß geworden zu sein. Die Nachbarn haben sich geholfen,
wenn jemand mal krank war oder so, die waren immer da, wenn man gebraucht
wurde. Und auch für Kinder war das ideal, da groß zu werden.
Die Nachbarn waren großzügig gegenüber Kindern, weil sie
ja alle selber Kinder hatten. Und so das übliche, schon mal war Krach,
wenn man so nah beieinander wohnt, dann passiert sowas auch schon mal.
Aber ich muss sagen, es war eine tolle Gemeinschaft. Kinderfeste wurden
da gefeiert und die älteren haben alle mitgemacht, war wirklich toll,
die Zeit.
Als sie da gewohnt haben, was hat sie die Wohnung gekostet?
Hugo Schneider: Oh, da hab` ich mich nie drum gekümmert, weil ich
bei meinen Eltern gewohnt hab', und als wir geheiratet haben, da haben
wir nur ein Zimmer gehabt und das haben die Eltern mitbezahlt, aber sonst
kann ich überhaupt nicht sagen, was das gekostet hat.
Wie viel Lohn hat man damals als Bergmann gekriegt?
Hugo Schneider: Genauso wenig ist mir das bekannt.
Woher kam das Geld für Neubauten und Reparaturen?
Hugo Schneider: Das ist ja in der heutigen Zeit gewesen, wo das gekauft
worden ist, da war ich ja schon nicht mehr da.
Auch Reparaturen nach dem Krieg.
Hugo Schneider: Das haben wir meistens selber gemacht. Die Bergleute,
die konnten handwerklich auch fast alles und was da zu machen war, haben
die meistens selber gemacht.
Wir haben in einer Broschüre etwas über einen Siedlungsbunker
gelesen.
Hugo Schneider: Ah, ja, das ist schon genauso, wie das in dem Buch beschrieben
ist, mehr kann ich dazu auch nicht sagen, weil ich ab 1943 selber Soldat
war und da haben die ungefähr damit angefangen, deswegen habe ich
da nichts von mitbekommen.
Gab es in der Zeit noch irgendwelche besondere Ereignisse?
Hugo Schneider: Zu der Nazizeit war da einer gestorben, ich möchte
aber nicht den Namen nennen, der war eine Nazigröße, daran
kann ich mich erinnern, dass das vom Staat oder den Nazis ganz groß
aufgezogen wurde, die Beerdigung. Und da kann ich mich erinnern, wie da
alles vorgefahren kam, das war ein Auflauf in der Straße, das war
sagenhaft. Und ich kann mich noch erinnern, wo mein Opa im Fenster lag,
und der war gegen die Nazis und er hat dann von da ober laut runtergeschrien
und hat geschimpft, und das war ja gefährlich, und meine Oma und
meine Mutter, und die gerade da waren, haben ihn vom Fenster weggezogen.
Das war für mich als Kind schon ein großes Ereignis. Und sonst
sind so viele Kleinigkeiten wie Kinderfeste und so. Damals waren die ein
bisschen primitiver als heute. Ich habe damals ein Fahrrad bekommen. Das
war ein großes mit so großen Rädern dran und dann musste
man von hinten aufsteigen. Ich hab' das auch gemacht und dann fahren wir
da mit den Leuten mit und auf einmal hält der Zug und ich rasch zur
Seite auf einen Wagen drauf.
Aber im Großen und Ganzen war es ganz schön in der Siedlung?
Hugo Schneider: Toll, wirklich toll. Da wurde auch Schlagball gespielt
in den Straßen und das war wirklich schön. Ich hab` eine schöne
Jugend da gehabt.
Dann nochmals vielen Dank für das Interview.
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