Interview mit Willi Loos über die Mausegattsiedlung

Schon mal vielen Dank im Voraus, dass wir zu Ihnen kommen und sie über die Mausegattsiedlung befragen dürfen.
Wie lange haben sie in der Mausegattsiedlung gewohnt?

Willi Loos: Von 1925 bis 1975.

Woher kamen die ersten Bewohner der Mausegattsiedlung?

Willi Loos: Das waren alles Bergleute, die kamen aus allen Himmelsrichtungen. Es waren auch Oberschlesier dabei. Es war auch ein Teil Mülheimer dabei, aber wieder aus allen Himmelsrichtungen.

Mausegattsiedlung
Die Siedlung zur Erbauungszeit

Wie war das Gemeinschaftsleben in der Kolonie?

Willi Loos: Das war einmalig, weil es sowieso gang und gäbe war, dass die zusammengehalten haben und ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern oder Nachbarn je die Wohnung abgeschlossen haben. Da waren Wohnungen auf, Ställe auf, wir kannten einfach keine Schlösser, so groß war die Kameradschaft da.

Sind sie dort hingezogen, also haben sie vorher in einer anderen Wohnung gelebt?

Willi Loos: Nein, nein, ich bin da geboren. Meine Eltern sind da hingezogen.

Als sie da gewohnt haben, wo befanden sich die Toiletten?

Willi Loos: Ich habe in der Mausegattstraße, das heißt das ist die Wiescher Kolonie. Die Wiescher Kolonie besteht aus zwei Hauptstraßen: die Mausegattstraße und die Kreftenscheerstraße. Ich habe zuerst in der Mausegattstraße gewohnt, da waren die Toiletten auf dem Hof. Dann habe ich in der Kreftenscherstraße gewohnt, da waren Toiletten auch auf dem Hof. Da waren sogenannte Sickergruben. Dann habe ich in der Mausegattstraße 1a gewohnt, da waren die Toiletten im Haus, aber angebaut als Wasserklo.

Wie groß war denn der Garten, und wie wurde der genutzt?

Willi Loos: Der Garten war groß. Wir hatten rund 350 bis 400m2 und zwar nur Nutzgarten, das heißt, es wurde nur Gemüse und Kartoffeln angebaut.

Hatten Sie denn auch Haus- oder Nutztiere?

Willi Loos: Fast alle, fast alle damaligen Bewohner der Mausegattstraße oder in der Wiescher Kolonie haben Nutztiere gehabt, haben Hühner gehabt, haben fast in jedem Haus Schweine geschlachtet, haben Schweine gehabt und Kaninchen.

Als ihre Eltern da eingezogen sind, was hat sie diese Wohnung gekostet?

Willi Loos: Oh, die Wohnung war an und für sich ziemlich preiswert. Die letzte Wohnung hat gekostet, ich glaub' 48 DM für 2 1/2 Raum, aber da war schon Küche dabei und Toilette im Haus.

Und die Verhältnisse dann zum Lohn? Wie war der Lohn?

Willi Loos: Der Lohn lag damals für einen Bergmann bei 450 bis 500 DM.

Im Jahr?

Willi Loos: Im Monat!

Und wie waren die Arbeitsverhältnisse als Bergmann?

Willi Loos: Na ja, die kann man mit heute nicht vergleichen. Der Bergmannsberuf war früher sehr gefährlich und körperlich schwer.

Haben sich im Laufe der Jahre die Löhne sehr verändert?

Willi Loos: Ja, ich bin da heute von überzeugt, ich weiß nicht mehr was heute im Bergbau verdient wird, aber die verdienen heute mit den höchsten Stundenlohn, aber körperlich schwer ist er immer noch.

In der Wiescher Kolonie, wo kam das Geld für Neubauten und Reparaturen her?

Willi Loos: Hauseigentümer war der Mülheimer Bergwerksverein. Zum Mülheimer Bergwerksverein gehörten damals die Zechen Wiesche, Rosendelle, Humboldt, Kronprinz und Hagenbeck. Das war der Mülheimer Bergwerksverein und die haben eine eigene Wohnungsverwaltung gehabt. Die haben die Reparaturen durchgeführt und haben auch anschließend, bevor die Häuser verkauft wurden, nach den Bombenangriffen, wieder aufgebaut.

Wir haben in einer Broschüre etwas über einen Siedlungsbunker gelesen.

Willi Loos: Ja, der Siedlungsbunker war am Ende der Kreftenscherstraße zur Fischenbeck hin. Der wurde von der Kreftenscheerstraße betrieben, dort war ein Eingang und der Ausgang war in der Fischenbeck. Der Bunker ist nur für die Angehörigen der Bergleute gebaut worden. In Eigeninitiative.

Wie groß war der und wie viele Leute passten rein?

Willi Loos: Das kann man sich im Grunde vorstellen. Alle aus Kreftenscheerstraße und Mausegattstraße, die zu Hause waren, mussten rein passen. Der war groß und sicher.

Gab es in der Zeit, als sie dort gewohnt haben, noch andere nennenswerte Ereignisse?

Willi Loos: Ja, Anfang Juli 1943 sind in der Mausegattstraße die ersten Bomben gefallen, das heißt nicht die ersten, aber da war die erste größere Zerstörung. Ende Mausegattstraße und Ende Kreftenscheerstraße ist eine Luftmine gefallen und es waren einige Tote da oben.

Vielen Dank für das Interview.