Interview mit Willi Loos über die
Mausegattsiedlung
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Die Siedlung zur Erbauungszeit
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Wie war das Gemeinschaftsleben in der Kolonie?
Willi Loos: Das war einmalig, weil es sowieso gang und gäbe war,
dass die zusammengehalten haben und ich kann mich nicht erinnern, dass
meine Eltern oder Nachbarn je die Wohnung abgeschlossen haben. Da waren
Wohnungen auf, Ställe auf, wir kannten einfach keine Schlösser,
so groß war die Kameradschaft da.
Sind sie dort hingezogen, also haben sie vorher in einer anderen Wohnung
gelebt?
Willi Loos: Nein, nein, ich bin da geboren. Meine Eltern sind da hingezogen.
Als sie da gewohnt haben, wo befanden sich die Toiletten?
Willi Loos: Ich habe in der Mausegattstraße, das heißt das
ist die Wiescher Kolonie. Die Wiescher Kolonie besteht aus zwei Hauptstraßen:
die Mausegattstraße und die Kreftenscheerstraße. Ich habe
zuerst in der Mausegattstraße gewohnt, da waren die Toiletten auf
dem Hof. Dann habe ich in der Kreftenscherstraße gewohnt, da waren
Toiletten auch auf dem Hof. Da waren sogenannte Sickergruben. Dann habe
ich in der Mausegattstraße 1a gewohnt, da waren die Toiletten im
Haus, aber angebaut als Wasserklo.
Wie groß war denn der Garten, und wie wurde der genutzt?
Willi Loos: Der Garten war groß. Wir hatten rund 350 bis 400m2 und zwar nur Nutzgarten, das heißt, es wurde
nur Gemüse und Kartoffeln angebaut.
Hatten Sie denn auch Haus- oder Nutztiere?
Willi Loos: Fast alle, fast alle damaligen Bewohner der Mausegattstraße
oder in der Wiescher Kolonie haben Nutztiere gehabt, haben Hühner
gehabt, haben fast in jedem Haus Schweine geschlachtet, haben Schweine
gehabt und Kaninchen.
Als ihre Eltern da eingezogen sind, was hat sie diese Wohnung gekostet?
Willi Loos: Oh, die Wohnung war an und für sich ziemlich preiswert.
Die letzte Wohnung hat gekostet, ich glaub' 48 DM für 2 1/2 Raum,
aber da war schon Küche dabei und Toilette im Haus.
Und die Verhältnisse dann zum Lohn? Wie war der Lohn?
Willi Loos: Der Lohn lag damals für einen Bergmann bei 450 bis 500
DM.
Im Jahr?
Willi Loos: Im Monat!
Und wie waren die Arbeitsverhältnisse als Bergmann?
Willi Loos: Na ja, die kann man mit heute nicht vergleichen. Der Bergmannsberuf
war früher sehr gefährlich und körperlich schwer.
Haben sich im Laufe der Jahre die Löhne sehr verändert?
Willi Loos: Ja, ich bin da heute von überzeugt, ich weiß nicht
mehr was heute im Bergbau verdient wird, aber die verdienen heute mit
den höchsten Stundenlohn, aber körperlich schwer ist er immer
noch.
In der Wiescher Kolonie, wo kam das Geld für Neubauten und Reparaturen
her?
Willi Loos: Hauseigentümer war der Mülheimer Bergwerksverein.
Zum Mülheimer Bergwerksverein gehörten damals die Zechen Wiesche,
Rosendelle, Humboldt, Kronprinz und Hagenbeck. Das war der Mülheimer
Bergwerksverein und die haben eine eigene Wohnungsverwaltung gehabt. Die
haben die Reparaturen durchgeführt und haben auch anschließend,
bevor die Häuser verkauft wurden, nach den Bombenangriffen, wieder
aufgebaut.
Wir haben in einer Broschüre etwas über einen Siedlungsbunker
gelesen.
Willi Loos: Ja, der Siedlungsbunker war am Ende der Kreftenscherstraße
zur Fischenbeck hin. Der wurde von der Kreftenscheerstraße betrieben,
dort war ein Eingang und der Ausgang war in der Fischenbeck. Der Bunker
ist nur für die Angehörigen der Bergleute gebaut worden. In
Eigeninitiative.
Wie groß war der und wie viele Leute passten rein?
Willi Loos: Das kann man sich im Grunde vorstellen. Alle aus Kreftenscheerstraße
und Mausegattstraße, die zu Hause waren, mussten rein passen. Der
war groß und sicher.
Gab es in der Zeit, als sie dort gewohnt haben, noch andere nennenswerte
Ereignisse?
Willi Loos: Ja, Anfang Juli 1943 sind in der Mausegattstraße die
ersten Bomben gefallen, das heißt nicht die ersten, aber da war
die erste größere Zerstörung. Ende Mausegattstraße
und Ende Kreftenscheerstraße ist eine Luftmine gefallen und es waren
einige Tote da oben.
Vielen Dank für das Interview.