Umweltprobleme in der Industriellen
Revolution
Mit der Industrialisierung nahmen auch die Umweltprobleme zu. Die wichtigsten
Faktoren waren:
- Fällen der Wälder zur Holzgewinnung
für den Bergbau,
- Vergiftung des Bodens durch "sauren Regen" und
Abwässer,
- Bergsenkungen durch den Bergbau,
- Luftverschmutzung durch den Rauch der Fabriken (besonders
durch Schwefeldioxid),
- Wasserverschmutzung durch Fabrikabwässer und "sauren
Regen".
Als sich der Bergbau als Industrie entwickelte,
wurde mehr und mehr Holz für die Stempel und Streben gebraucht. Dort,
wo kein Wald mehr war, entstand Heide , wo z. B. Vieh gezüchtet wurde.
Die Industrialisierung bewirkte aber wieder eine Veränderung der
Heide. Der Boden wurde in weiten Teilen durch die Bebauung versiegelt
oder durch Umweltgifte, sogenannte Altlasten, vergiftet. Zu
diesen Altlasten gehört z.B. Blei. Das Wasser wurde durch Gifte verseucht.
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Luftverschmutzung
im Ruhrgebiet heute
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Schwefel wurde während der Industrialisierung zu einem großen
Umweltproblem, da alle fossilen Brennstoffe und Erze Schwefel enthalten
und diese in Mengen in den Fabriken verbrannt wurden. Bei der Verbrennung
entsteht Schwefeldioxid. Schwefeldioxid ist ein stechendes ätzendes
giftiges Gas, das Erkrankungen der Atemwege hervorruft. In Verbindung mit
Regenwasser entsteht schweflige Säure; diese reagiert mit dem Luftsauerstoff
zu Schwefelsäure, die Bestandteil des sauren Regens ist.
Dieser greift Pflanzen und Bäume an, beeinträchtigt die Photosynthese.
Folge: Die Pflanzen werden krank und sterben ab. Außerdem greift der
saure Regen die Gewässer an , so dass diese sauer werden
und die Fische sterben.
Besonders stark war der Schwefelausstoß in Zinkhütten, wo aus
der Schwefelverbindung Zinkblende Zink gewonnen wird. Zinkblende enthält
30 % Schwefel. Der Rauch der Hütten zeigte seine Auswirkungen vor allem
auf Pflanzen, wo Staub und Ruß, also Kohlenstoff, zu sehen waren.
Folgen des Schwefelausstoßes waren geringere Ernteerträge; die
Pflanzen trugen kleinere Früchte und wurden schneller von Schädlingen
befallen. Die Wälder wuchsen schlechter. Beim Vieh war eine geringere
Milchproduktion festzustellen, es kam sogar zu Fehlgeburten.
Die betroffenen Personen glaubten sofort, dass dies die Auswirkungen der
Industrie waren, aber die Industrie war der Hauptverdienstzweig im Ruhrgebiet,
und der wirtschaftliche Aspekt ging vor.
Wenn eine neue Fabrik gebaut werden sollte, hatten die dort ansässigen
Leute vier Wochen lang das Recht Einspruch gegen den Bau zu erheben, jedoch
bekam die Industrie meist aus wirtschaftlichen Gründen die Bauerlaubnis.
War die Fabrik gebaut, konnten die Anwohner Schadenersatzforderungen stellen.
Der Erfolg war aber nicht gesichert und die meisten Leute hatten auch nicht
die finanziellen Mittel, die nötig waren, um ein solches Verfahren
einzuleiten.
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Die Mülheimer Zinkhütte
(rechts im Bild)
um die Mitte
des vorigen Jahrhunderts
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Die Schäden wurden enorm verharmlost. In
manchen Fällen wurden Gutachter hinzugezogen, die die Auswirkungen
der Industrie auf die Umwelt untersuchten. Diese bestätigten die
Beschädigungen , hatten aber oft mangelnde Kenntnisse. Der Bau höherer
Schornsteine brachte auch nicht den erwünschten Erfolg. Er löste
zwar das lokale Problem, aber dafür wurden die Pflanzen im weiteren
Umkreis geschädigt.
Gravierende Fälle wurden dem Ministerium für Handel , Gewerbe
und öffentliche Arbeiten vorgelegt, aber die Industrie hatte die
eindeutigen Vorteile. Die Wirtschaft war wichtiger als die Umwelt.
Die Besitzer der Hütten stritten die Gefahr für Pflanzen, insbesondere
fürGemüse ab. Klagen von Geschädigten wurden mit dem Hinweis
auf den Nutzen der Hütten für die Bevölkerung abgewiesen.
1852/54 zahlten Werke in Mülheim und Essen Entschädigungen oder
kauften das Land auf , obwohl sie die Schuld nach wie vor abstritten.
Die Probleme wurden dadurch jedoch nicht gelöst.
1873, nachdem der Gemeinderat, zu dem an der Zinkhütte ansässige
Leute gehörten, einschritt, wurde die Zinkhütte in Mülheim
geschlossen. Nach einem weiteren Streit mit der Firma Vieille Montagne
über die Aufrechterhaltung der Produktionsstätte derselben Hütte
in Essen-Borbeck setzte die Bezirksregierung einen Gutachter auf das Problem
an . Dieser bestätigte die fatale Lage und verlangte Verbesserung
und Entschädigungen.
Wieder wurden Schäden abgestritten, aber Landrat Leopold Devens,
ein reicher Grundbesitzer, klagte und bekam Recht. Aber auch Entschädigungen
von Vieille Montagne an den Landrat konnten den Streit nicht beilegen.
1863 experimentierte die Firma mit der Technik, die Gase aufzufangen und
zu Schwefelsäure zu verarbeiten, ein Unterfangen, das in der Praxis
scheiterte. 1873 gab Vielle Montagne auch die Produktion in Borbeck auf
und besaß nur noch eine Hütte in Oberhausen. Dort waren keine
Beschwerden aufgekommen , da die Bewohner ausschließlich von der
Zinkindustrie lebten. Zitat des Bürgermeisters: Von Belästigungen
aber durch die Industrie dürfte hier gar nicht die Rede sein, da
die Einwohner Oberhausens lediglich durch diese Industrie ihre Existenz
finden und dafür jeder, der sich der Industrie wegen niederlässt,
diese auch mit in Kauf nimmt oder eben fort bleiben muss. Doch auch
dort entstanden giftige Gase. Bei der Verbrennung von Zinkblende entstanden
pro Tag 11 Tonnen Schwefeldioxid.
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Die Zinkhütte in Oberhausen heute |
Aber auch andere Industrien produzierten giftige Gase, 18 weitere Tonnen
Säure und Sulfate in der Umgebung, die sauren Regen verursachten.
Zitat vom Oberhausener Bürgermeister Schwartz zu einer Beschwerde:
Es handelt sich also tatsächlich im vorliegenden Fall um die
Frage: was muss weichen? Die lebensfähige und nährende Industrie
oder die kleinliche Landwirtschaft, ... und bei der Beantwortung dieser
Frage muss ich mich für das Weichen letzterer erklären, denn was
die Schädigung der Vegetation betrifft, so muss ja schließlich
die Industrie für die volle Entschädigung eintreten und ist doch
jeder Private gesichert. Die Spätfolgen zeigen sich noch heute
in den Altlasten. Blei, Cadmium und Schwefel werden im Boden gefunden. Auf
dem ehemaligen Zinkhüttengelände in Essen-Borbeck führte
dies zu sehr hohen Kosten zur Nutzbarmachung des Grundstücks für
den Wohnungsbau.
Folgen und Ursachen waren seit 1850 bekannt. Schon 1849 wurde der Chemiker
Stöckardt mit Untersuchungen von Pflanzen beauftragt. Er lieferte Nachweise
des Zusammenhangs der Schäden mit den Industrien. Er kam zu dem Schluss,
dass schweflige Säuren, aber auch Blei- und Zinkdämpfe negative
Auswirkungen auf Pflanzen hatten. Ein zweiter Beweis für die Schuld
der Industrie an den Pflanzenschäden war, dass während der Ruhrbesetzung
1923, als die Fabriken stillstanden, Rauchschäden ausblieben.
In den Arbeitergärten, die eine Nahrungsquelle darstellten, waren die
Rauchschäden ebenfalls zu beobachten. Zitat aus der Zeitschrift Glückauf
von 1927: Bei Bohnen und Erbsen treten große, durchscheinende
Flecken durch Schrumpfung des Blattquerschnitts zu einem dünnen Häutchen
auf, außerdem rollt sich das Blatt vom Rand herein ... Rhabarber zeigt
große, scharf umrandete auffällig rote Flecken. Auf Obstbaumblättern
erscheinen rötliche Flecken, schließlich welken die Blätter
bei starker und dauernder Begasung und fallen ab.
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Die kanalisierte Emscher -
ein Schmutzwasserfluss
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Die Wasserverschmutzung war ein weiteres Problem. Für die neuen Industrien
und die anwachsende Bevölkerung wurde viel Wasser gebraucht. Der Ruhrtalsperrenverein
wurde gegründet und die Ruhr wurde geklärt um weiter Wasser zu
liefern. Die Emscher hingegen wurde stark mit Abwässern verunreinigt.
Die Emscher war ein träger Fluß mit niedrigem Gefälle, und
der Bergbau, der Bergsenkungen hervorrief, veränderte den Flusslauf
und begünstigte das Versumpfen großer Gebiete. Oft entstanden
Überschwemmungen und durch Abwässer in der Nähe von Brunnen
breiteten sich Seuchen aus. Es gab außerdem Papiermühlen an der
Emscher, die Schmutzwasser in die Emscher abgaben. Abgesehen davon hatte
der Knochenleim, der zur Papierherstellung verwendet wurde, einen üblen
Geruch.
Ab 1883 wurden Vorschläge zur Lösung des Problems gemacht. 1899
wurde die Emschergenossenschaft gegründet, um die Emscher in Kanäle
zu verlegen. 1906 begannen die Arbeiten, die bis 1914 andauerten. Ab 1910
wurden Kläranlagen gebaut, auch Pumpwerke waren vonnöten, um die
Gebiete trocken zu halten und den Wasserstand zu halten. 10 Jahre nach Beginn
der Verlegung der Emscher konnte man die einst versumpften Gebiete wieder
nutzen. Die Betonröhren wurden so gebaut, dass sich möglichst
wenig Schlamm absetzte. 40 % des Emschergebiets werden heute noch künstlich
durch Pumpwerke trocken gehalten. Die Emscher wurde von 109 km auf 81 km
verkürzt, die Mündung in den Rhein dreimal verlegt.
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Der Borbecker Mühlenbach -
ein kanalisierter Emscherzufluss
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